saemulanz, der das Dazwischen blau "malt"
Mittels Kunst dem Geheimnisvollen des Lebens näher kommen
Kunst kaufen! Fine-Art-Prints!
Post
Vita
17. Juni 1953 DDR-Aufstand, ein Zeichen für den Kampf für Freiheit und Demokratie,
mein Geburtstag.
Kinder bedingungslos lieben und begleiten, Lehrer,
mein Beruf.
In der alltäglichen Auseinandersetzung mit der Kunst dem Geheimnisvollen des Lebens in kleinen Schritten etwas näherkommen, Künstler
mein Leben.

Liminalität – (Blau) als ästhetische Erfahrung
Blau definiert einen Zustand des Dazwischen. Es ist die Farbe der Liminalität, die sich der stabilen Ordnung entzieht und gerade darin ihr analytisches, ästhetisches Potenzial entfaltet. Liminalität beschreibt die Phänomene Trennung, Schwellenphase (Dazwischen) und Reintegration. Die Schwellenphase ist durch Ambiguität, normative Suspension und eine temporäre Entgrenzung sozialer Rollen gekennzeichnet. Bereits hier zeigt sich Liminalität nicht nur als Moment des Übergangs, sondern als eigenständiger Erfahrungsraum.
In den Kultur‑ und Kunstwissenschaften hat sich Liminalität zu einer räumlichen und epistemischen Denkfigur entwickelt. Sie erlaubt es, Übergangszonen zu analysieren, in denen Bedeutung, Identität und Wahrnehmung instabil werden. Liminale Räume sind weder eindeutig innen noch außen, weder Zentrum noch Peripherie; sie markieren Schwellen, an denen kulturelle Ordnungen sichtbar, fragil und verhandelbar werden.
Mit diesem Verständnis verknüpft sind die Begriffe: Grenze, Transgression und Schwelle.
Die Schwelle dient als symbolische Markierung kultureller Ordnung, ohne diese endgültig zu fixieren. Transgression bezeichnet das bewusste Überschreiten von Grenzen und eröffnet damit einen Raum der Differenz und Neuartikulation. Georges Bataille begreift Transgression als existenzielle Erfahrung, in der das Subjekt an die Grenzen des Sag‑ und Denkbaren geführt wird. Michel Foucault wiederum beschreibt Transgression als ein Überschreiten, das die Grenze nicht negiert, sondern sie im Moment ihres Überschreitens erst hervorbringt. Eine zentrale theoretische Anschlussstelle bildet die postkoloniale Theorie, insbesondere Homi K. Bhabhas Konzept des „Third Space“. Dieser „dritte Raum“ bezeichnet einen Ort kultureller Hybridität, an dem binäre Oppositionen – etwa zwischen Eigenem und Fremdem, Zentrum und Peripherie – destabilisiert werden. Liminalität erscheint hier als produktiver Möglichkeitsraum kulturellen Werdens, in dem neue Bedeutungen und Identitäten emergieren.
In dieser Perspektive lässt sich Liminalität als eine – potenziell utopische – Ästhetik des Werdens verstehen. Sie unterläuft stabile Dichotomien und eröffnet Zwischenräume, in denen Transformation denk‑ und erfahrbar wird. Kunst und Literatur agieren bevorzugt in liminalen Zonen: Sie erzeugen Schwebezustände zwischen Realität und Fiktion, Ordnung und Auflösung, Sichtbarkeit und Entzug. Für die Kunst‑ und Literaturwissenschaft eröffnet die Liminalität ein analytisches Instrument, um ästhetische Formen des Übergangs, der Hybridisierung und der Grenzüberschreitung zu untersuchen. In der literarischen Fantastik etwa fungieren liminale Figuren und Räume als Katalysatoren narrativer Transformation. In kulturpolitischen Analysen von Grenzräumen – etwa im Kontext des Balkans oder Mitteleuropas – ermöglicht Liminalität eine differenzierte Betrachtung von Identitätsverhandlungen, Machtverschiebungen und historischen Übergängen.
Gleichzeitig kann Liminalität eine dunkle Kehrseite besitzen. Wird der Schwellenzustand nicht in eine neue Ordnung überführt, kippt er in ein permanentes Dazwischen, das von Stillstand und Desintegration geprägt wird. Diese Form einer negativen oder „katastrophalen“ Liminalität findet einen paradigmatischen literarischen Ausdruck in Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung (1915). Gregor Samsa, der Protagonist in der Erzählung, verbleibt in einem radikal liminalen Zustand, der weder Rückkehr noch Reintegration erlaubt. Liminalität wird hier zum Ort existenzieller Entfremdung, in dem Subjektivität, Sprache und soziale Zugehörigkeit zerfallen.
Liminalität erweist sich grundsätzlich als Schnittmenge, die anthropologische, ästhetische und politische Dimensionen verbindet. Als Denkfigur des Dazwischen macht sie sichtbar, dass Kultur nicht nur reproduziert, sondern auch neu erfunden werden kann.